Großer Andrang bei der Eröffnung „Kleines Stadtmuseum“ Winterstettenstadt

Geschrieben von Marion Zinser

„Zum Glück haben wir uns für einen Stehempfang entschieden…“, meinte die Vorsitzende des Winterstetter e.V. für Kultur- und Heimatpflege, Mandy Hopp, in ihrer Ansprache am Samstag, 12. August, denn die Stühle im Bürgersaal des Rathauses hätten keinesfalls ausgereicht. Dicht gedrängt standen die gut 100 Interessierten im Erdgeschoss des Rathauses und lauschten den Ausführungen der Vorsitzenden und ihrer Amtsvorgängerin Karin Schöntag.

Karin Schöntag kann man als treibende Kraft bei der Einrichtung des kleinen Museums bezeichnen. Unterstützt wurde sie von ihrem Ehemann, Gerhard Schöntag, und von Friedrich Zinser, der mit seiner profunden Kenntnis der Geschichte seines Heimatortes Winterstettenstadt viel zum Gelingen beigetragen hat. Laut Karin Schöntag waren die drei ein sehr gutes Team und so ist nach einer längeren Phase der Konzeptentwicklung etwas ganz Besonderes in dem Raum des Vereines im Obergeschoss entstanden. Der Platz reichte allerdings schon sehr bald nicht mehr aus und so musste noch der Flur hinzugenommen werden. Denn es kam einiges an Sehenswertem zusammen, nachdem die drei monatelang beschäftigt waren, das Material zu sichten und zu sortieren.

Die Ausstellung ist, laut Karin Schöntag, jederzeit erweiter- oder veränderbar und nur ein Anfang. In ihrer Rede dankte sie den Spendern für die Überlassung der vielen Relikte aus der Winterstetter Geschichte. Ihr Dank galt auch der Gemeinde Ingoldingen für die Überlassung des Vereinsraumes, in dem nun endlich der lange gehegte Wunsch des Vereines verwirklicht werden konnte. Schon 1987, als in der Pfarrkirche ein Vorderladergewehr aus dem 17. Jahrhundert gefunden worden war, bezeichnete dies Eugen Mohr, Amtsvorgänger von Karin Schöntag und Mitbegründer des Winterstetter e.V., in einem Bericht als möglichen Grundstock für ein kleines Museum. Es hat lange gedauert, bis das gute Stück nun im Museum eine eigene Vitrine erhalten hat und neben zahlreichen anderen interessanten Exponaten besichtigt werden kann.

In ihrer Ansprache erläutere Karin Schöntag den Inhalt der Vitrinen und von wem die Exponate stammen. Sie bedankte sich auch ganz besonders beim Kreiskultur- und Archivamt, das die Einrichtung konstruktiv begleitet und mit Leihgaben unterstützt hat. Ebenso galt ihr Dank auch dem Verein „Der Winterstetter e.V.“, der allein für die Finanzierung verantwortlich zeichnet und seinen Vereinsraum zur Verfügung stellt. „Und ohne die Winterstetter gäbe es das Museum nicht. Es waren so viele, die immer mal wieder geholfen haben. Das Kleine Stadtmuseum darf allerdings auch nicht überschätzt werden, es ist kein Staatsmuseum, sondern ein kleines, schnuckeliges „Museumle“, so meinte Karin Schöntag.

Auch Bürgermeister Jürgen Schell ist sehr stolz auf das „Kleine Stadtmuseum“ in Winterstettenstadt. Er dankte Karin Schöntag und ihrem Team für das Geleistete und brachte ein Geschenk für das Museum mit. Er hat ein Kontingent für das im November 2017 erscheinende Buch von Herrn Prof. Martin Selge über Schenk Ulrich von Winterstetten erworben.

Dass beim Aufbau des Museums viel Arbeit nötig war, die überaus reiche Geschichte von Winterstettenstadt aufzuarbeiten und auszustellen, davon konnten sich die Besucher nach dem offiziellen Teil selbst überzeugen. Aus den Einträgen im Gästebuch ist zu entnehmen, dass die Ausstellung bei den Besuchern bestens ankommt.

Am Markttag, 19. August, war das „Kleine Stadtmuseum“ ab 11 Uhr geöffnet, und es wurde rege von diesem Angebot Gebrauch gemacht.

Bei Interesse, auch für Führungen, wenden Sie sich bitte an den Verein „Der Winterstetter e.V.“.

Ein lange gehegter Wunsch geht in Erfüllung

Auch beim Kauf der Zunftlade aus Privatbesitz am 5. April 1994 für stolze 2.000 DM stand die Sache mit einem kleinen Ausstellungsraum beim Verein mal wieder zur Diskussion. Denn immerhin wurden bei diesem Kauf 4.000 DM investiert. Und es ging so weiter. So ist zum Beispiel auch im Protokollbericht bei der Jahreshauptversammlung 1997/98 zu lesen: „Unter dem Punkt Verschiedenes wurde der Beschluss gefasst, dass wir einen Antrag stellen für einen Ausstellungsraum, eventuell auch für die Dampfwalze.“ Es wurde damals auch ein Antrag an die Gemeinde gestellt, passiert ist aber leider nichts. Offensichtlich stand kein Raum zur Verfügung. Dennoch wurden vom Verein weiterhin Dinge erstanden, die „museumsreif“ sind. Bei einer Bücher-Auktion am 25. April 1998 ist für die Ortsgeschichte ein wichtiges „Rechtsgutachten der juristischen Fakultät der Universität Tübingen“ über die Rechtmäßigkeit der Verpfändung der Stadt Winterstetten an die Truchsessen von Waldburg-Wolfegg-Waldsee“ vom 14. April 1701 zum Verkauf angeboten worden. Das 194 Seiten umfassende, handgeschriebene Originalstück konnte der Verein für 2.226 DM erwerben. Das in deutscher und lateinischer Sprache geschriebene Exemplar ist eine wichtige Ergänzung des Ortsarchives und es war beim Erwerb vorgesehen, dieses auch dort zu deponieren.  Bereits im Jahr zuvor, im April 1997 wurden von der Universitätsbibliothek Heidelberg 22 großformatige Farbdias und eine Mikroverfilmung der originalen Liederhandschrift des Minnesängers Ulrich von Winterstetten erworben. Von den Farbdias wurden dann auch gleich Fotos entwickelt, so dass das gesamte Werk des Ulrich von Winterstetten angeschaut werden konnte.

Was inzwischen mit den Käufen geschehen ist

Die gekauften Exponate konnten inzwischen teilweise ausgestellt werden. So ist alles um die Zuftlade in einer Vitrine zu sehen. Von den gekauften Farbdias wurde auf aufwändige Art das Bild von Schenk-Ulrich aus der Manesse digitalisiert und im Großformat ausgedruckt. Es hängt nun an der Wand im Museum. Das Rechtsgutachten ist neben den restlichen Farbdias im Archiv untergebracht. Allerdings ist die Aufbewahrung keinesfalls fachgerecht. Dazu sollten dringend geeignete Aufbewahrungsutensilien angeschafft werden, dass diese wertvollen Dokumente keinen Schaden nehmen. 

Kategorie: